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Als Zivi in Großbritannien

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Zivildienst auf den Britischen Inseln

Carsten Beta ging nach Schottland, um den ADiA in einer sogenannten Camphill-Einrichtung zu leisten, einem Projekt für Behinderte.

Also auf nach bonny Scotland! Mich erwarteten ein fremdes Land, neue Menschen, eine andere Sprache, dazu ein turbulenter, vom frühen Morgen bis in die späte Nacht ausgefüllter Alltag, der im völligen Gegensatz stand zu allem, was das kopflastige Schreibtischdasein des frischgebackenen Abiturienten ausgemacht hatte. Zivildienstgesetz, Zustimmungen oberster Landesbehörden, Versicherungen und Verträge waren schnell in Vergessenheit geraten, denn in Camphill arbeitet man nicht, in Camphill lebt man, und zwar sehr intensiv.

Einen herkömmlichen Arbeitsalltag gibt es dort nicht, aber dafür auch keinen Feierabend. Auch wenn es sich um eine sogenannte Behinderteneinrichtung handelt, so liegt die Aufgabe doch nicht im pflegerischen oder primär therapeutischen Bereich, sondern vielmehr im alltäglichen Zusammenleben mit den Behinderten. Die Aufgabe besteht aus dem täglichen Miteinander im Haushalt oder in der Werkstatt, ist Aufgabe, ist Therapie. Auch medizinische Hintergründe sind zunächst bedeutungslos. Oft kennt man sie nicht einmal. Es spielt keine Rolle, ob die Fachleute Paul als schizophren einstufen. Manche Psychologen sind auch der Ansicht, er habe autistische Züge. Es ist nicht wichtig. Paul ist eben Paul. Man kennt ihn, er hat seine Eigenarten, wie sie jeder mehr oder weniger extrem ausgeprägt hat. Und so kann man die erstaunliche Erfahrung machen, wie der Begriff des Behinderten, die Abgrenzung zwischen "behindert" und "normal", allmählich etwas Absurdes wird, wie sie im täglichen Umgang etwas kaum zu Definierendes, beinahe Sinnloses ist. An solchen und vielen weiteren Erfahrungen und Erlebnissen war diese Zeit reich. Es wurde ein sehr bewegter, schöner, zeitweise aber auch schwieriger Lebensabschnitt, der überdies voll interessanter Bekanntschaften war.
Carsten Beta

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