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Unvergessliche Erlebnisse

Gegen Ende meiner Zeit wurde das marode Heimgebäude dann nach und nach abgerissen, und gleichzeitig von der anderen Grundstücksseite her ein neues Heim gebaut. Es war eine beengte Situation voller Dreck und Staub, die eine besondere Herausforderung für uns bedeutete. Leider bin ich wenige Monate vor Fertigstellung abgereist, so daß ich den Neubau nicht mehr bewundern konnte, der sicher viel mehr Möglichkeiten bietet, mit den Kindern etwas auf die Beine zu stellen.

Nebenbei arbeitete ich an zwei Vormittagen in der Verwaltung. Ich koordinierte die Zusammenarbeit mit den anderen Stiftungen vor Ort, kümmerte mich um Öffentlichkeitsarbeit und Spendenströme und bastelte eine neue Homepage. Dazu kamen typische Sekretärinnen-Tätigkeiten, z.B. Dankbriefe an deutsche Spender. Ich führte auch Besuchergruppen durch die Stiftung und machte ein wenig Werbung für die Produkte aus den Werkstätten der Stiftung, in denen Jugendliche ausgebildet wurden.

Die Bäckerei war in ganz La Paz bekannt für ihr gutes Brot und es gab auch einen Verkaufsladen im reicheren Stadtteil der Millionenstadt. Dort verkaufte ich auch eine Zeit lang und hatte mittags stets Angst vor der Kolonne dicker Jeeps, die nach Schulschluß der Deutschen Schule anrauschte. Übergangsweise betreute ich auch das Sparkassenprogramm: Die Schuhputzer gaben uns ihre Tageseinnahmen, die wir dann für sie sparten. Damit sollte vor allem den Schuhputzer-Familien geholfen werden, die von der Hand in den Mund lebten.

Jedes Jahr organisierte Arco Iris eine Kinderwallfahrt an den Titicacasee. Mit knapp 30 Bussen ging es in einer Kolonne raus aus La Paz. Wir Voluntarios betreuten die Kinder und mußten immer aufpassen, daß niemand verloren ging. Zwei Nächte schliefen wir dann in Schulen.

Unvergessen bleibt die einwöchige Wanderung nach Coroico mit 50 Kindern. Es ging hinaus aus La Paz über den Cerro. Oben liefen wir auf knapp 5.000 m über ein Schneefeld, danach ging es nur noch bergab Richtung Amazonien. Wir legten mehrere tausend Höhenmeter zurück. Nach der Mondlandschaft oben begannen weiter unten schon Moose und Flechten, später Farne und Sträucher. Und irgendwann waren wir im tropischen Regenwald, konnten an Wasserfällen trinken und uns die Orangen vom Baum pflücken. Es war die schönste und anstrengendste Wanderung zugleich.

Wenn man ganz am Schluß lief, durfte man die auf der Strecke gebliebenen erschöpften Kinder aufsammeln, und mußte sie irgendwie zum nächsten Lager bekommen. Jeder mußte sein Essen und seine Decke selber tragen, weil es auf der Strecke nichts gab. Gekrönt war das Ganze von der Tatsache, daß man mir einen großen Müllbeutel voller Bockwürstchen anvertraute, die wir gegrillt haben - am letzten Abend...

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