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Fremde Kultur erleben im ADiA

Indische Sitten

Zeit für die Kinder

Um das ganze Grundstück der Farm wird gerade eine Mauer gebaut. Sie soll das Gelände vor dem in der Monsunzeit knietiefen Wasser schützen. Diese Arbeit wird von sogenannten Labours (man könnte sagen ungelernte Arbeiter), die auf der „Baustelle“ leben, erledigt. Nur derjenige, der die Arbeit gelernt hat, der Chef, besucht täglich die Baustelle. Die Mauer wird aus Natursteinen errichtet, die aus dem nahe gelegenen Fluß geholt werden. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Arbeiter mit geübten Hammerschlägen die ziemlich großen Steine in kleine rechteckige Stücke hauen, und überhaupt ist die einzige verfügbare Maschine ein Traktor zum Herbeischaffen des Baumaterials. Zementmischen, das Ausheben des Fundaments für die Mauer, all das erledigen sie von Hand.
Es sind ca. zwanzig junge Arbeiter, die sehr bemüht sind, mir Hindi beizubringen, mich hin und wieder zum Essen an ihren Feuern einladen, mir „Guli und Danda“ ein indisches Mannschaftsspiel beibringen und mich morgens um 5.30 mit lauter indischer Musik wecken.

Bagatram, mein ständiger Begleiter hier auf der Farm, ist ungefähr einen Meter sechzig groß und fünfundsechzig Jahre alt. Er kennt hier alles und jeden. Oft nimmt er sich viel Zeit, um mir die indischen Sitten zu erklären, landwirtschaftliche Tricks und Methoden zu zeigen, mich auf eine Pflanze oder ein Tier aufmerksam zu machen oder mir die indische Küche beizubringen. Man beachte, daß er nur eine Handvoll Wörter Englisch spricht und auch mein Hindi noch begrenzt ist. Wir haben aber immer interessante Gespräche, von denen ich wenn auch nicht jedes Wort, so doch den Sinn verstehe.

Die Arbeit mit den Kindern gestaltet sich etwas schwieriger, denn das Leben mit den Kindern hat weniger den Charakter eines sozialen Projekts, als eine Adoption der Kinder durch die Familie Gairola. Da sie hier gut versorgt werden, gibt es wenige Aufgaben, die ich übernehmen kann. Es ist ein bißchen so, als ob ein Zivildienstleistender in eine normale Familie käme und dort eine soziale Tätigkeit verrichten sollte. Ich werde sehen, ob sich daran etwas ändern läßt, wenn der Leiter des Projekts aus Deutschland eintrifft. Aufgrund dessen lebe ich mehr auf der Farm, denn hier gibt es was zu tun, auch wenn es ein wenig einsam ist. Aber es gibt Tage, vor allem in der letzten Zeit, die ich mit den Kindern verbringe. Dann machen wir lange Spaziergänge, spielen am nahegelegenen Fluß, oder ich bringe ihnen Dinge wie Seilspringen und Stelzenlaufen bei. Die Kinder freuen sich immer sehr, wenn ich etwas mit ihnen unternehme, denn es ist hier nicht üblich, daß Kinder jemand haben, der nur für sie da ist, mit ihnen spielt und alles Mögliche unternimmt. Sie sind auch stolz, einen weißen Bay (Bruder, so nennen sie mich) zu haben. Überhaupt sind Inder sehr familienbewußte Menschen. So nennt man jede Frau, die man ein bißchen kennt Didi (Schwester) und jeden Mann Bay.

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