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Schock zu Beginn im fremden Land
Schwierige Erlebnisse während des ADiA
Verdrängung folgt auf Hilflosigkeit
Der Flughafen von Quito liegt inmitten der Stadt. Er gilt als einer der gefährlichsten weltweit. Meine Landung mit dem Flugzeug vor dreizehn Monaten war bereits eindrucksvoll. Der Abflug hob meine Stimmung.
Ein letztes Mal sah ich die schnee- und eisbedeckten Gipfel der Fünf- und Sechstausender, welche die Kordilleren krönen. Die mächtigsten und wuchtigsten unter ihnen, Cotopaxi und Chimborazo, verliehen der Landschaft eine erhabene Schönheit.
Nach zwei Stunden in der Luft legten wir in Bonaire, einer kleinen Insel in den niederländischen Antillen, eine Zwischenlandung ein. Sobald man sich dem Flughafen an der Küste nähert, erkennt man einen blauen Korallenring, der die Insel umgibt.
Wir verließen das Flugzeug, da es noch für den Weiterflug gereinigt werden mußte. Vielleicht zehn Meter vom Flugzeug entfernt standen wir Passagiere nun auf der Landepiste und rauchten Zigaretten. Am liebsten hätte ich mich wegen des Schattens geradezu unter das Flugzeug gestellt. Die Hitze war unerträglich. Wenige Stunden zuvor hatte ich noch bei wenigen Graden über Null gefroren. Nun schaute ich belämmert durch den Gitterzaun zum Strand; mit langer Hose, Pullover und Jacke bekleidet, schwitzend, als sei das mein Lebenszweck, unfähig zu irgendeinem Entschluß, nur des Griffs zur nächsten Zigarette fähig. Nach einer Stunde ging es weiter.
Ich dachte daran zurück, wie ich zu Beginn über allerlei Ereignisse erschrocken war, die nach kurzer Zeit bereits keine Rolle mehr spielten: Der Straßenkinderhort war baulich mit dem größten Gefängnis Ecuadors verbunden, dem "cárcel García Moreno". Unser Hof und unser Gebäude waren höher gelegen, so daß wir das Geschehen vom ersten Innenhof dieses Gefängnisses beobachten konnten. Dort sahen wir dann, wie Gefangene beiderlei Geschlechts, eine Trennung war nicht vorgesehen, teilweise mehrere Tage lang nackt ausharren mußten. Zwischendurch wurden sie beschäftigt oder mußten exerzieren. Kniebeugen und Liegestütze gehörten zum Ablauf. Schafften sie die vorgegebene Anzahl Liegestütze nicht, sprühte man ihnen Tränengas in die Augen und befahl, weitere Liegestütze zu machen und den Schmerz in den Augen zu unterdrücken. Gelegentlich erfanden sie neue Verfahrensweisen, so mußten zum Beispiel einige Male die männlichen Häftlinge sich gegenseitig an den Geschlechtsteilen festhalten und singend um eine Laterne tanzen.
Zu Beginn meines Einsatzes in Quito waren mein deutscher Kollege und ich darüber entsetzt. Wir meldeten die Vorgänge bei Amnesty International in Quito, die nicht überrascht wirkten und deutlich machten, daß solche Vorgänge als Beweismaterial per Video aufgenommen werden müssten. Da der Vollzug jedoch davon erfahren würde, wäre letztlich das weitere Bestehen des Hortes in Gefahr. Bessere Konditionen im Strafvollzug seien durch solch eine Maßnahme auch nicht zu erzielen.
Nach einigen Wochen bemerkten wir den Mißbrauch dort unten schon gar nicht mehr bewußt.
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